Ein neuer Anfang: Chens Weg in ein neues Leben
- Miriam Steiner

- 2. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Hinweis: Dieser Beitrag enthält Schilderungen von sexueller Gewalt, unfreiwilliger Prostitution sowie Suizidgedanken.

Chen ist ein Überlebender von unfreiwilliger Prostitution. Seine Geschichte zeigt, wie schwierig der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben sein kann und was es braucht, um einen Neuanfang zu wagen. Sein Name wurde zum Schutz seiner Identität geändert.
Chen wurde 2024 im Rahmen einer Reportage von der israelischen Zeitung «Yediot Ahronoth» interviewt. Die folgenden Zitate geben Einblick in seine Geschichte.
Ein Leben geprägt von Gewalt
«Ich wuchs in einer traditionellen Familie auf und wurde mit 11 Jahren während eines Urlaubs von einem Fremden vergewaltigt. Das hat mich verändert, und so geriet ich als Jugendlicher an die falschen Leute. Zu Hause war ich ständig Gewalt ausgesetzt, vor allem psychischer Gewalt. Ich habe mehrmals versucht, meinem Leben ein Ende zu setzen, was schliesslich dazu führte, dass ich mit 18 Jahren aus der Armee ausgeschlossen wurde.»
Ohne Halt und ohne Unterstützung begann für Chen ein Überlebenskampf. Perspektiven fehlten, ebenso wie Menschen, die ihn hätten auffangen können.
«Um zu überleben, habe ich mich prostituiert, da ich weder die finanziellen Mittel noch die Unterstützung meiner Familie hatte. Drogen und Alkohol kamen hinzu, um den Schmerz zu betäuben.» Der Weg in die Prostitution war in diesem Moment die einzige Möglichkeit, die Chen sah. Die Erfahrungen von Gewalt und innerer Leere verstärkten sich in dieser Zeit. Ein Ausstieg war lange kaum vorstellbar.
Der Wendepunkt
«Mit 19 Jahren erlebte ich dann einen schweren sexuellen Übergriff, der für mich zum Wendepunkt wurde.» Solche Momente verändern nicht direkt alles. Oft sind sie der Anfang eines längeren inneren Prozesses, in dem spürbar wird, dass man so nicht mehr weiterleben möchte.
«Es hat lange gedauert, bis ich bereit war, aus der Prostitution auszusteigen, aber ich habe es schlussendlich geschafft.» Vom Wunsch auszusteigen, bis es tatsächlich auch möglich ist, vergeht meist noch Zeit. Denn ein Ausstieg ist allein kaum machbar. Es braucht Menschen, die einem dabei helfen und begleiten.
Ein neuer Anfang
Chen fand Unterstützung bei uns im Hope Center. Dort werden Menschen nach sexueller Ausbeutung und unfreiwilliger Prostitution auf ihrem Weg zurück in den Arbeitsmarkt und in ein selbstbestimmtes Leben begleitet. Im Arbeitsintegrationsprogramm des Hope Centers geht es darum, Vertrauen in die eigenen Stärken wieder aufzubauen und Schritt für Schritt neue Perspektiven zu entwickeln.
«Heute, nach Abschluss des Programms im Hope Center habe ich eine Arbeit im Gesundheitswesen gefunden, um Menschen mit einer ähnlichen Geschichte auf ihrem Weg in ein freies Leben zu unterstützen. Ausserdem habe ich seit Jahren wieder Kontakt zu meiner Mutter.»
Adi Oz, Geschäftsleiterin des Hope Centers Israel sagt es treffend: «Ohne eine helfende Hand und ohne finanzielle Investitionen ist der Ausstieg aus dem Prostitutionskreislauf für die Betroffenen nicht möglich. Eine helfende Hand ist alles, was zwischen Ausbeutung und Freiheit steht.»
Wenn du dazu beitragen möchtest, dass mehr Menschen diesen Weg gehen können, findest du hier die Möglichkeit unsere Arbeit zu unterstützen.



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