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Wir sollen unsere Mädchen nicht schützen? – Doch! Die Hintergründe zu unserer Fahne im Kontext von Gewalt an Frauen


Im Rahmen unserer Mitmachaktion zum Weltfrauentag haben unsere KitePride-Standbesucherinnen den Spruch "Don't protect the girls, teach the boys" gewählt. Diese Aussage kann einige Fragen aufwerfen, daher möchten wir die Hintergründe und die wichtige Botschaft dahinter erläutern.


Die Aussage auf der Fahne greift eine zentrale Problematik unserer Gesellschaft auf: die genderspezifische Gewalt gegen Frauen (ja, auch hier in der Schweiz, leider).


Ein aufschlussreiches Interview mit der Rechtsanwältin Christina Clemm, erschienen in der NZZ am 27. März 2024, beleuchtet diesen Sachverhalt aus einer spannende Perspektive, passend zum Thema unserer Fahne. Clemm kämpft seit Jahren vor Gericht für Opfer häuslicher Gewalt in der Schweiz und Deutschland und bringt das Problem auf den Punkt:

"In der Kita, in der Schule, überall wird an die Mädchen herangetragen, wie sie sich verhalten sollen, damit ihnen nichts passiert. Jungs hingegen wird nicht mit gleicher Energie ein Verständnis für Grenzüberschreitungen beigebracht."

Rechtsanwältin Christina Clemm (NZZ, 2024).


Clemm betont in besagten Interview weiter, dass es nicht an den Mädchen liegt, dass sie "zu spät" nach Hause gelaufen sind, sich den falschen Mann ausgesucht haben, zu spät nein gesagt haben oder "selber blöd" waren. Wie wir ist auch Clem der Meinung, dass diese Sichtweise ein Bild von Männlichkeit voraussetzt, bei dem Männer nicht in der Lage sind, Respekt zu zeigen, Grenzen zu erkennen und sich selbst unter Kontrolle zu haben. Dieses verzerrte Männlichkeitsbild schützt leider auch heute oft die Täter vor Bestrafung. Unsere Aktion mit den Fahnen zielt genau darauf ab, dieses Bild zu verändern und die Verantwortung für respektvolles Verhalten bei ALLEN Jungen und Männern zu verankern. Fortschrittliche Männer sollten sich aktiv gegen geschlechterbezogene Gewalt und schädliche Männlichkeitsbilder wehren. Wie Clemm (NZZ, 2024) sind auch wir der Meinung: Es reicht nicht aus, selbst nicht gewalttätig zu sein; es ist ebenso wichtig, mit männlichen Freunden über diese Themen zu sprechen, Verhaltensmuster zu reflektieren und einzuschreiten, wenn grenzüberschreitendes Verhalten beobachtet wird.


Fahne in Blau wo steht "Don't Protect your girls. Teach the boys"
Fahne gegen sexualisierte Gewalt

Wie wir bereits in einem unserer Instagram-Posts geschrieben haben: Wir träumen von einer Welt frei von sexualisierter Gewalt – einer Gesellschaft, wo alle Jungen zu Männern heranwachsen, die Frauen respektieren und in der jegliche Form von Gewalt keine Option ist. Eine Welt, in der ein "Nein heisst Nein" selbstverständlich ist. Wir träumen auch von einer Welt, in der Männer nicht für Sex bezahlen und damit die Ausbeutung von Frauen in Kauf nehmen (und verursachen!).

Mit der Botschaft auf unseren Fahnen, hoffen wir, dass mehr darüber gesprochen wird. Wir wollen zu einer gerechteren und sichereren Welt beitragen. In unserer Arbeit begegnen wir vielen Frauen, die durch sexualisierte Gewalt traumatisiert sind. Die Folgen sind gravierend.

Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, Mädchen zu schützen, indem wir Respekt und Gerechtigkeit einfordern. Bestelle deine Fahne hier.


 


 

Good to know

Die Fahnen wurden in unserer betreuten KitePride-Werkstatt handgefertigt, unter Verwendung von Stoffresten aus der Kite-Produktion. Bei KitePride bieten wir Arbeitsplätze für Menschen an, die noch unter den Folgen von erlebter sexueller Ausbeutung und Gewalt leiden und noch nicht in der Lage sind, auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.

Ah, und noch was! Wir finden es grossartig, dass es neue Männerbewegungen gibt, die sich gegen sexualisierte Gewalt, den Sexkauf und das damit verbundene Männlichkeitsbild engagieren. Kennst du schon echtemaenner.ch?





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